Rundfunklizenz für Youtuber

Youtuber vs. Landesmedienanstalten

Wenn die alte auf die neue Welt trifft, zeigt sich oftmals wie schwierig es ist, Regeln der Vergangenheit auf die Gegenwart anzuwenden. So auch beim Thema Rundfunklizenz. Der bekannte Streamingsender „Pietsmiet.tv“ sorgte im März dieses Jahres für Schlagzeilen, da er von der Landesmedienanstalt Post bekam. Darin wurde er aufgefordert, eine Rundfunklizenz für seine Inhalte zu beantragen. Pietsmiet.tv setzt sich aus einem Team von fünf videospielbegeisterten Leuten zusammen, die irgendwann beschlossen ihre „Zockersessions“ aufzunehmen und im Internet zu veröffentlichen.


Doch was haben die Landesmedienanstalten, die wir aus der klassischen Welt des analogen Fernsehens kennen, plötzlich mit den Videoplattformen gemein?

Die Hauptaufgabe der Landesmedienanstalten besteht in der Regulierung. Dies bedeutet: Wer einen eigenen Fernsehsender gründen möchte, muss sich an die Landesmedienanstalt wenden, um hierfür eine Zulassung zu erhalten. Die Anstalten sind staatlich unabhängig und nicht Teil der Verwaltung. Trotzdem übernehmen sie die Programmaufsicht und die Vielfaltssicherung der privaten Rundfunkprogramme. Sie fördern zudem die Medienvielfalt und neue Übertragungswege.


Wird an den Youtubern das Exempel statuiert?

Nicht umsonst wurde gerade im Gaming-Bereich die Frage der Rundfunklizenz aufgeworfen. Gerade dieser Bereich eignet sich hervorragend für Streaming, sei es auf Youtube oder auf Plattformen wie twitch.tv. Wer bisher seine Spielkunst öffentlich demonstrieren wollte, konnte einfach online gehen und streamen. Die Landesmedienanstalten wurden jedoch aufmerksam (gemacht) und fordern zur Beantragung der Rundfunklizenz auf. Begründet wird dies mit der Tatsache, dass über 500 Nutzer gleichzeitig zu erreichen sind und die Streamer nach einem festen Sendeplan arbeiten.

Die Streaming-Gemeinde ist damit selbstverständlich nicht einverstanden und geht je nach Budget gerichtlich dagegen vor, andere wie Pietsmiet.tv haben aufgehört und wollen sich hinter den Kulissen für eine Veränderung der Zulassung engagieren. Die Anstalten sind sich jedoch selbst noch nicht so ganz sicher und haben vorsorglich die „AG Streaming“ gegründet, um herauszufinden, wie berechtigt ihr Anliegen nun tatsächlich ist.

Maxim Markow, ebenfalls Streamer, kritisiert, dass die bisherige Attraktivität des Streaming in der Spontanität und Flexibilität lag. Hinzu kommt, dass sich die Zulassung auch nicht automatisch jeder leisten könnte. So ein Antrag kann zwischen 1.000€ und 3.000€ kosten.

Die Voraussetzungen, damit eine Rundfunklizenz notwendig wird, hängen von folgenden Faktoren ab:

  • Es handelt sich nicht um ein On-Demand-Service, sondern die Inhalte werden linear verbreitet
  • Mehr als 500 Zuschauer können erreicht werden
  • Es gibt eine redaktionelle Gestaltung
  • Es findet eine regelmäßige Übertragung statt

Fazit

Sollte sich die bisherige Gesetzeslage durchsetzen, würde es in jedem Fall den Charakter der Internetgemeinde verändern und den ein oder anderen davor abhalten, weiter ihre Kanäle zu betreiben. Das Internet und die dazugehörigen Plattformen leben davon, dass es niedrige Eintrittsschwellen gibt und praktisch jeder seine Inhalte veröffentlichen und mit fremden Leuten teilen kann. Hieraus entstehen über die Zeit fruchtbare Communities, deren Bedeutung ohnehin in Zukunft weiter wachsen wird, gerade im Hinblick auf das Influencer Marketing. Gleichzeitig haben die Gesetze aus der internetfreien Ära weiterhin ihre Gültigkeit und es wird eine spannende Diskussion herauszufinden, inwiefern diese auf die digitale Welt anwendbar sind.

Im Idealfall arbeiten die Netzgemeinde, Plattformbetreiber, Streamer und die Landesmedienanstalten zusammen, um eine praktische und gerechte Regelung zu finden. Die Anstalten machen letztendlich nur ihren Job und sollten von den Kreativen als Partner nicht als Feinde angesehen werden. Schließlich unterstützen die Landesmedienanstalten bspw. das Regionalfernsehen und versuchen ihr Bestes, um die Sendeanstalten zu unterstützen und zu fördern. Wenn Youtuber und Co. die Rolle der Anstalten annehmen, haben beide die Chance den Unterhaltungswert auch in Zukunft für alle gewinnbringend zu gestalten.


Quellen:

  1. http://www.mdr.de/medien360g/wissen/rundfunklizenz-100.html Zugriff 7.11.2017, Autor unbekannt, erstellt am 10. Oktober 2017
  2. https://www.youtube.com/user/PietSmittie/about Zugriff 7.11.2017, Autor und Erstellungsdatum unbekannt
  3. https://www.die-medienanstalten.de/ueber-uns/aufgaben/ Zugriff 7.11.2017, Autor und Erstellungsdatum unbekannt
  4. http://www.mdr.de/medien360g/wissen/rundfunklizenz-100.html Zugriff am 7.11.2017, Autor und Erstellungsdatum unbekannt
  5. http://praxistipps.chip.de/youtube-und-twitch-rundfunklizenz-kosten-und-alle-infos_92054 Autor ik, erstellt am 10.4.2017
  6. http://www.gameswirtschaft.de/meinung/rundfunklizenz-streaming-anzeigepflicht-kolumne-thorsten-hemme/ Zugriff 7.11.2017, Autor Thorsten Hemme, erstellt am 13.10.2017

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