Twitch – Die größte Streamingplattform

Als Twitch.tv im August 2014 für 970 Millionen US-Dollar von Amazon übernommen wurde, war diese Meldung zunächst unerwartet, denn im Vorfeld hatte immer wieder Google angekündigt, den Streaming-Dienstleister kaufen zu wollen. Das hätte thematisch ins Bild gepasst, da der Internet-Riese ja bereits mit YouTube über das größte Videoportal im Netz verfügt. Dass sich Amazon als Online-Versandhandelskonzern plötzlich für eine Videospiel-Streamingseite interessiert, kam sehr überraschend.


Warum hat Amazon also diesen Schritt gewagt und was ist das Besondere an der Plattform twitch.tv?

Twitch.tv ist die größte Live-Streaming-Plattform der Welt. Hauptsächlich auf Videospiele fokussiert bietet die Seite Streamern die Möglichkeit, Video-Content live an ein Millionenpublikum zu übertragen. Diese müssen dafür noch nicht mal bezahlen, jeder kann kostenlos und ohne Accounterstellung den gewünschten Sendeinhalt empfangen.

Zuschauer können ähnlich wie auf YouTube ihre favorisierten Kanäle abonnieren, zahlen jedoch einen Festbetrag von fünf Euro an die Live-Streamer, was eine der Haupteinnahmequellen neben Werbeeinnahmen und Sponsoring darstellt. Weiterhin gibt es „Donations“, mit denen die Zuschauer einen Betrag ihrer Wahl spenden können. Diese liegen meist bei mind. zwei Euro, reichten in Vergangenheit aber auch schon vereinzelt bis zu 30.000 Euro. Typischerweise empfangen die Streamer gleichzeitig eine Nachricht des Spenders, die dann vor allen Zuschauern vorgelesen wird.

Der Content auf Twitch reicht mittlerweile weit über Let`s Plays von bekannten Streamern wie Gronkh oder PewDiePie hinaus, es werden ganze Videospielevents wie die E3, Gamescom oder BlizzCon via Twitch an die Online-Community ausgestrahlt. Auch alle großen E-Sport-Turniere werden übertragen. Spitzenreiter unter den gezeigten Spielen ist „League of Legends“, welches allein im Oktober 2017 insgesamt 97 Millionen Zuschauer hatte.

Doch nicht nur videospielthematische Inhalte werden angeboten, von einer märchenvorlesenden Oma (s. MarmeladenOma) bis hin zu TV-ähnlichen Sendeanstalten mit eigenem Sendeplan (s. PietSmiet, Rocketbeans.tv) ist alles abgedeckt. Zu letzteren haben sich aktuell die Vorschriften in Deutschland verschärft, Rundfunklizenzen sind genau wie auf YouTube ab sofort notwendig.


Milliarden-Erfolg innerhalb von drei Jahren

Twitch ging 2011 an den Markt und konnte schnell starke Anstiege der Zuschauer- und Streamerzahl vermelden. Bereits im Jahre 2013 sahen monatlich mehr als 45 Millionen Konsumenten die Live-Inhalte der Content-Creator, im Jahre 2014 dann sogar 60 Millionen. Als Amazon Twitch schließlich für 970 Millionen im gleichen Jahr aufkaufte, war die Erfolgsserie komplett.

Der Grund der Übernahme war zum einen die treue und spezifische Zielgruppe. Meist männlich, jung, aktiv und absolut Gaming-affin verbringen die Twitch-Nutzer mehr als 20 Stunden pro Woche auf der Seite. Dass diese Zielgruppe bereit ist, für Videospiele viel Geld in die Hand zu nehmen, ist bekannt. Durch die Anbindung am Amazon durch Twitch Prime vergrößert sich die Kundengruppe und Netzwerkeffekte können realisiert werden.

Twitch-Gründer Emmett Shear entschied sich letztlich für den Verkauf an Amazon „(…) weil sie an unsere Community glauben, unsere Werte und Ziele teilen und uns helfen wollen diese schneller umzusetzen“. Des Weiteren seien Unabhängigkeit und freie Entfaltung ausschlaggebende Argumenten gewesen.


Zukunftsaussichten

Was Amazon in Zukunft mit Twitch weiterhin geplant hat, bleibt abzuwarten. Erste Verknüpfungselemente mit „Twitch Prime“ wurden getätigt, die mit Sicherheit weiter ausgebaut werden. Durch den Einstieg in das Film- und Seriengeschäft mit hauseigenen Produktionen bieten sich interessante Möglichkeiten. Mit der Übernahme ist dem Handelskonzern jedenfalls ein vielversprechend lukratives Geschäft geglückt.


Quellen:

https://www.nzz.ch/digital/warum-amazon-twitch-gekauft-hat-1.18370628

https://www.amazon-watchblog.de/sortiment/93-warum-amazon-twitch-fuer-eine-milliarde-gekauft-hat.html

http://www.pcgames.de/Twitch-Firma-258761/News/Streaming-Dienst-verkauft-aber-nicht-an-Youtube-oder-Google-1133777/

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/amazon-kauft-twitch-von-null-auf-eine-milliarde-in-drei-jahren-/10607794.html

http://www.zeit.de/digital/games/2014-05/twitch-youtube-streaming-games

https://www.summoners-inn.de/de/news/36152-twitch-bricht-alle-rekorde

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